Todesfalle Maulkorb Bundesverband Tierschutz erwirkt bundesweit Rücknahme von tierquälerischem Artikel

Unser Mitgliedsverein, der Tierschutzverein Gütersloh, machte uns auf den Werbeprospekt eines großen Lebensmitteldiscounters aufmerksam, in dem ein Neopren-Maulkorb angeboten wurde. Diese Art von Maulkörben ist deshalb so gefährlich für Hunde, weil sie das für Hunde lebenswichtige Hecheln behindert oder gar unmöglich macht – vom Trinken ganz zu schweigen. Die schlauchartige Neoprentüte wird über die Schnauze gezogen und kann mittels Klettverschluss so fixiert werden, dass der Hund seine Schnauze nicht mehr öffnen kann.

Damit werden nicht nur wesentliche Bedürfnisse von Hunden behindert, sondern selbst lebensnotwendige Funktionen im wahrsten Sinne des Wortes unterbunden. Ohne die Möglichkeit des Hechelns ist ein Hund kaum in der Lage, seinen Wärmehaushalt zu regulieren. Umso gravierender war es, dass zur Zeit des geplanten Verkaufs in Deutschland gerade die Hitzewelle herrschte.
Es stand zu befürchten, dass sich dieser tierquälerische Artikel auch aufgrund des äußerst günstigen Preises rasch verbreiten würde.
Unsere Freunde in Gütersloh waren unter Mithilfe von Tierärzten bereits selbst aktiv geworden und erstatteten Strafanzeige gegen den Discounter.
Dann wandte sich der BUNDESVERBAND TIERSCHUTZ e. V. mit dem Appell an die Zentrale, besagten Maulkorb bundesweit aus dem Sortiment zu nehmen.


Wir schrieben unter anderem:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie kündigen an, ab dem 20.07.2006 einen Neopren-Maulkorb (für 4,99 e) anzubieten.

Der Beschreibung und dem Foto ist deutlich zu entnehmen, dass der Vertrieb und die Nutzung dieses Maulkorbes dem Tierschutzgesetz widersprechen und einen Strafbestand darstellen.
Durch die Benutzung von Maulkörben darf die hundetypische Wärmeregulation nicht behindert werden. Geschieht dies auch nur ansatzweise, liegt ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vor. Dies ist die einhellige Meinung in Rechtssprechung und Literatur.
Außerdem darf die Möglichkeit zum Trinken nicht nachhaltig behindert werden. Auch dies ist bei dem von Ihnen beschriebenen Maulkorb jedoch der Fall.

Beide Gesichtspunkte haben deshalb besondere Relevanz, weil Ihr Angebot gerade in diesen heißen Sommerwochen starten soll. Dies erhöht auch die Vorwerfbarkeit.

Bitte geben Sie meinem Verband unter der aus dem Briefkopf ersichtlichen Adresse, am besten per Telefax, bis spätestens zum Ablauf des heutigen Tages die verbindliche Bestätigung, dass Sie das beabsichtigte Angebot aus dem Sortiment nehmen.

Wir haben bislang noch keine Mitteilung an die Behörden gemacht.
Bitte verstehen Sie die etwas strenge Formulierung dieses Schreibens nicht als persönlichen Vorwurf. Ein solcher soll niemandem in Ihrem Hause gemacht werden. Sicherlich hat sich bislang niemand Gedanken über diesen Artikel gemacht. Zugegebenermaßen sieht man ihm die Tierschutzwidrigkeit auch nicht auf den ersten Blick an. Tatsächlich ist es aber so, dass derartige weiche Maulkörbe wegen der oben beschriebenen Wirkung deutlich einschränkender sind als starre Gittermaulkörbe.

In der Hoffnung auf eine positive Antwort verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen


BUNDESVERBAND TIERSCHUTZ e. V.
Prof. Dr. Astrid Funke


Offenbar konnten unsere Argumente überzeugen. Unserer Aufforderung wurde Folge geleistet. Der Artikel wurde umgehend bundesweit aus dem Sortiment genommen, was für den Konzern eine Einbuße in Millionenhöhe bedeutete.
Wir danken dem Discounter, dass er diesen finanziellen Schaden zugunsten einer ethischen Entscheidung in Kauf genommen hat, und sind stolz auf unseren Erfolg. Auch andere Anbieter ähnlich tierschutzwidriger Verkaufsartikel werden von uns angeschrieben. Wir werden über den Fortgang dieser Aktion berichten.





Über Maulkörbe

Leider ist für etliche Hunde das zeitweilige Tragen eines Maulkorbes Pflicht. Dieses kann aber zu einer wesentlichen Beeinträchtigung der Verhaltensweisen und der Lebensqualität von Hunden führen. Es ist daher in jedem Fall erforderlich zu prüfen, ob und wie ein Hund einen Maulkorb verträgt.

Muss ein Hund gelegentlich einen Maulkorb tragen, so sollte man sich für ein Modell entscheiden, mit dem der Hund so wenig wie möglich in seinen Bedürfnissen eingeschränkt wird. Neopren- oder Nylontüten sind nicht geeignet, wenngleich sie auf den ersten Blick angenehmer wirken mögen als die starren Körbe. Durch den tütenförmigen Zuschnitt erlauben sie vor allem nicht das lebensnotwendige Hecheln in ausreichendem Maße. Es kommt darüber hinaus zu Hitzeentwicklung und -stau auf der Haut.

Regelrechte Körbe sehen zwar unschön aus, sind für den Hund aber angenehmer beim Tragen. Die Körbe gibt es aus verschiedenen Materialien wie Plastik, Stahldraht oder Leder. Sie unterscheiden sich in Größe, Verarbeitung, Passform, Verstellbarkeit, Tragekomfort, Atmungstüchtigkeit, Gewicht und natürlich dem Preis. In jedem Fall sollte man sich beim Kauf beraten lassen und ein gutes Fachgeschäft aufsuchen – immer vorausgesetzt natürlich, dass es aus Rechtsgründen unvermeidbar ist, dem Hund gelegentlich diesen Zwang anzutun.



Handelsüblicher Nylonmaulkorb (Foto: Archiv)