Höchststrafe für Tierquäler sollte zehn Jahre betragen

„Bild am Sonntag“ veröffentlichte am 26. Oktober 2004 folgendes Interview

BILD am SONNTAG: Warum werden Tierquäler immer brutaler?

ASTRID FUNKE: Die Neigung mancher Menschen, Schwächeren etwas anzutun, gab es schon immer. Aber ich denke, dass sie durch grausame Darstellungen in Videos noch gefördert wird. Menschen mit schwachem Selbstwertgefühl suchen sich dann schwächere Kreaturen. Dadurch, dass sie sie quälen, spüren sie selber Macht.

Sind die Täter auch eine Gefahr für Menschen?

Das ist erwiesen. Der Tierquäler von heute ist der Menschenquäler von morgen. Die Brutalität gegenüber Tieren steigert sich noch mal und geht dann gegen den Menschen.

Reichen die Strafen aus?

Nein! Bislang werden die Taten viel zu gering bewertet. Nach § 17 des Tierschutzgesetzes liegt die Höchststrafe bei drei Jahren. Das Strafmaß muss aber über die drei Jahre hinaus deutlich erhöht werden – auf bis zu zehn Jahre, mit einer Mindeststrafe von einem Jahr in besonders schweren Fällen.

Manche Experten wollen die Täter lieber für Tierschutzaufgaben einsetzen, um so ihr Bewusstsein gegenüber den Tieren zu verändern. Wäre das auch eine Lösung?

Das ist sehr problematisch. Die perversen Leute, die Tiere absichtlich quälen, verändert man nicht durch ehrenamtliche Arbeit im Tierheim.

Seit 2002 ist der Tierschutz im Grundgesetz verankert. Hat sich seitdem denn nichts verbessert?

Doch, es ist ein guter Anfang. Der Tierschutz hat einen höheren Stellenwert bekommen. Und die Scheu der Menschen, eine Tierquälerei anzuzeigen, hat nachgelassen. Die Etablierung des Tierschutzes als Staatsziel im Grundgesetz erleichtert dem Gesetzgeber, Maßnahmen zu-gunsten des Tierschutzes durchzuführen – wie zum Beispiel eine Erhöhung des Strafrahmens für Tierquäler.

Anmerkung der Redaktion:

Wir können hierzu aufgrund soeben aus Berlin erhaltener Informationen noch ergänzen, dass auch das Ministerium BMVEL dem Artikel in der „Bild am Sonntag“ große Aufmerksamkeit geschenkt hat und sich des Themas annehmen wird. Dort steht die Strafverschärfung für Tierquälerei auf der Agenda für die nächsten gesetzgeberischen Vorhaben. Dass das Thema von der Politik „angepackt“ wird, ist schon ein großer Erfolg. Nun wird noch an der Umsetzung im Gesetzesrecht gearbeitet werden müssen.





 

 

Drei Jahre Höchststrafe sieht das Gesetz für Tierquäler vor. Doch ausgeschöpft wird dieses Strafmaß nie. BamS sprach mit Professorin Astrid Funke (45). Die Rechtsanwältin aus Köln ist Präsidentin vom Bundesverband Tierschutz e. V.