Qualzuchten

BVT begrüßt Urteil aus Berlin - Zucht von Nacktkatzen nicht mit dem Tierschutzgesetz vereinbar

Berlin, 24.9.2015. Erstmalig seit Novellierung des Tierschutzgesetzes 2013 hat sich ein deutsches Gericht mit dem Thema Qualzucht beschäftigt - und ein  Urteil gefällt, das wegweisend werden könnte: Die Zucht von Nacktkatzen verstößt gegen das Tierschutzgesetz, so das Berliner Verwaltungsgericht. Mit dieser Begründung wurde der Klägerin die Zucht von Canadian-Sphinx-Katzen untersagt, die nach züchterisch motivierten Genveränderungen haarlos sind und über keine funktionsfähigen Tasthaare mehr verfügen.
"Großartig! Mit diesem Urteil hat der Tierschutz über Zuchtinteressen gesiegt", freut sich Dr. Jörg Styrie, Geschäftsführer des Bundesverband Tierschutz (BVT). "Wahrscheinlich ist den meisten Menschen gar nicht bekannt, wie sehr Tiere aus Qualzuchten unter den künstlich erzeugten Veränderungen ihres Erscheinungsbildes leiden."
So können die von der Klägerin gezogenen Canadian-Sphinx-Katzen, wie alle anderen Nacktkatzen auch, kein normales Katzenleben mehr führen. Ihre züchterisch erwünschte Haarlosigkeit hat negative Auswirkungen u.a. auf die Wärmeregulation und den Stoffwechsel, die fehlenden Tasthaare beeinträchtigen die Orientierung und die Kommunikation mit Artgenossen.
"Es ist an der Zeit, dass der Qualzuchtparagraph endlich entsprechend umgesetzt wird", sagt Dr. Jörg Styrie mit Blick auf das Tierschutzgesetz. § 11 verbietet seit 1986 die Zucht von Tieren, die nach Zuchtmanipulationen nur unter Schmerzen, Leiden und mit Schäden leben können. Das Veterinäramt in Spandau hatte auf der Grundlage des so genannten Qualzuchtparagraphen die Auflage an die Züchterin erteilt, ihren Canadian-Sphinx-Kater unfruchtbar machen zu lassen und damit die Zucht zu beenden. Dagegen hatte die Katzenhalterin geklagt.
Im Zuge der Novellierung des Tierschutzes 2013 war auch der §11  neu formuliert worden, nachdem sich die Vollzugsbehörden in den vergangenen Jahren schwer mit der Umsetzung taten. "Dieses Urteil ist von grundsätzlicher Bedeutung", so der BVT-Geschäftsführer abschließend, "und könnte ein Signal sein, den tierschutzwidrigen Qualzuchten endgültig einen Riegel vorzuschieben."

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