Rinder

100 Millionen "plus X" für Milchbauern

Milchgipfel in Berlin

copyright: soylent-network.com

31. Mai 2016. In Berlin fand gestern der Milchgipfel statt, zu dem Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt führende Verbände aus der Milchwirtschaft geladen  hatte.  Die Erzeugerpreise haben sich innerhalb der letzten zwei Jahre auf 20 Cent pro Liter Milch halbiert mit dem Resultat, dass immer mehr Landwirte, über 7% allein 2015, aufgeben müssen. Ein Hilfspaket von 100 Millionen Euro "plus X" soll den Milchbauern helfen. 

Weiterlesen

 

Nach dem Tod von 150 Kälbern in Beidenfleth kritisiert der Bundesverband Tierschutz das zu geringe Strafmaß für die Landwirte

Auf einem Gehöft in Beidenfleth (Schleswig-Holstein) verhungerten 150 Kälber. Die Verantwortlichen, Mutter und Sohn, wurden vor wenigen Tagen wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz verurteilt. Die 53jährige Landwirtin muss 2.000 Euro Strafe zahlen, der 35jährige Arbeiter 3.500 Euro. Weiterhin wurden sie mit einem lebenslangen Nutztierhaltungsverbot belegt.
Der Bundesverband Tierschutz (BVT) hält das Strafmaß für viel zu gering. Dr. Jörg Styrie, Geschäftsführer des Verbandes, erklärt, warum eine höhere Strafe nach Auffassung des BVT angemessen gewesen wäre. "Das Tierschutzgesetz sieht für die Tötung von Tieren "ohne vernünftigen Grund" bzw. das Zufügen von "erheblichen Schmerzen oder Leiden" eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor. Wer dem jämmerlichen Verhungern von Kälbern, wie diese beiden Landwirte, tatenlos zusieht, erfüllt die beschriebenen Bedingungen des §17 TierSchG und müsste mit eben diesem Strafmaß belegt werden."
Doch abgesehen von der im Verhältnis zum ungeheuren Ausmaß des Tierleids stehenden milden Strafe kritisiert der promovierte Agrarwirt einen weiteren Tatbestand. "Wie kann es sein", fragt Dr. Jörg Styrie, "dass die Behörden bereits vor vier Jahren Kenntnis von den desolaten Zuständen auf dem Hof hatten und es dennoch zu dieser Tragödie kommen konnte?"
2011 hatte ein Fahrer eines Abdeckunternehmens tote Kälber entdeckt, die überall auf dem Gelände lagen. Nachdem er die offensichtlich verhungerten Tiere in Bildern festgehalten hatte, erstattete er bei dem zuständigen Veterinäramt Strafanzeige gegen die Landwirtin und ihren Sohn.
Und tatsächlich gab es im Laufe der folgenden Jahre Kontrollen durch die Behörde, bei denen immer wieder tote Kälber und eine hohe Anzahl "verschwundener" Tiere dokumentiert wurden. Gleichfalls abgemagerte Tiere, die vor Hunger ihren Kot fraßen und im Unrat standen. Auch der vom Strafrichter befragte Tierarzt bestätigte die horrenden Missstände auf dem Hof in Beidenfleth. Ihm sei nur die Erlösung der Tiere geblieben, erklärt er im Gericht.
"Nein", sagt Dr. Jörg Styrie, "es hätte mehr Handlungsspielraum gegeben. Wenn die Landwirte die Auflagen des Veterinäramts, ihre Kälber ordnungsgemäß zu versorgen und rechtzeitig einem Tierarzt vorzustellen, in Folge verstoßen hätten, wäre das Amt befugt gewesen, die Tiere zu beschlagnahmen. So entsteht bedauerlicher Weise wieder einmal der Eindruck, dass trotz behördlicher Kontrollen den Tieren nicht geholfen wird. Und solange nicht geholfen wird, bis sie verenden. Wie kann das sein?"
Die Obduktion der Kälber liest sich wie eine Dokumentation des Leids, das die Tiere über Monate erdulden mussten: Hochgradige Abmagerung, Lungenentzündung, Magen-Darm-Erkrankungen und Salmonellen. Die Verurteilen können übrigens das Rechtsmittel der Berufung einlegen.

Rindermast – Die Weide nie gesehen

Die konventionelle Rindermast erfolgt entweder in Anbindehaltung oder in Gruppenhaltung. Durch Fütterungsfehler, zu wenig Lichteinfall und schlechte Standeinrichtung kann es bei den Bullen neben den Klauenschäden und Liegeschwielen zusätzlich zur sog. Dackelbeinigkeit kommen. Ursache hierfür sind weiche Knochen, die das Gewicht des Körpers nicht mehr halten können.

Bei der Gruppenhaltung fristen die Tiere ihr Leben in engen Stallbuchten, wobei den ausgewachsen Bullen nicht mehr als 2 m2 Platz zugestanden wird. Bei einem Gewicht von 650 kg reicht dieser nicht einmal aus, dass sich die Tiere ungehindert hinlegen können. Aus arbeitswirtschaftlichen Gründen haben viele Betriebe ihre Ställe von Festmist- auf Flüssigmistsysteme umgebaut. Der Stallboden besteht dann aus parallel verlaufenden Betonbalken mit Spalten dazwischen, durch die die Tiere ihren Kot treten müssen. Sie stehen somit ein Leben lang über ihren eigenen Ausscheidungen. Zudem erfüllt der Spaltenboden keinesfalls die Anforderungen eines weichen, verformbaren, wärmeisolierten Liegebereiches. In Verbindung mit der dichten Besatzdichte wird der Spaltenboden auch als Ursache für die sog. Schwanzspitzennekrose bei den Tieren angesehen, die seit den siebziger Jahren zu einem schwerwiegenden Problem in der Bullenmast geworden ist. In Folge von Verletzungen durch gegenseitiges Treten auf die Schwänze oder Einklemmen der Schwänze zwischen den Spalten können Entzündungen bis ins Rückenmark steigen. Für die Tiere sind diese Entzündungsprozesse sehr schmerzhaft.

Nach etwa 18 Monaten ist die Tortur der Mast beendet, dann geht es zum Schlachthof. Bestenfalls in der näheren Umgebung, häufig aber über tausende von Kilometern, z. B. in den Libanon, in die Türkei oder nach Marokko.