Bundesverband Tierschutz kritisiert einseitige Interessensvertretung der Bundesministerin Ilse Aigner zugunsten der Geflügellobby

Berlin/Moers, 8. März 2012: Auf der gestrigen Sitzung des Ausschuss des Bundestages für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hätte eine seit langem andauernde Auseinandersetzung über die Laufzeiten der Kleingruppenhaltung von Legehennen beigelegt werden können. Zur Diskussion standen die Laufzeiten auf das Jahr 2023 bzw. in Härtefällen auf 2025 zu begrenzen. Ministerin Aigner war im letzten Jahr mit ihren Vorstellungen, die Kleingruppenhaltung bis zum Jahr 2035 zu ermöglichen, an der Ablehnung des Bundesrates gescheitert. Daraufhin wurde unter Federführung des Landes Rheinland-Pfalz und Niedersachsen ein Kompromiss mit der Laufzeit bis 2023 bzw. 2025 erarbeitet, der auch die Zustimmung der Mehrheit des Bundesrates fand.

 

Statt dem Kompromiss zuzustimmen, vertritt die Bundesregierung die Interessen der Geflügellobby, möglichst lange die Käfige für die Kleingrupppenhaltung zu nutzen. Sie begründet die Ablehnung mit angeblich verfassungsrechtlichen Bedenken. Ministerin Aigner nimmt damit in Kauf, dass ab dem 31. März 2012 statt einer bundesweit einheitlichen Lösung die Bundesländer über die Laufzeiten der Kleingruppenhaltung für Legehennen zu entscheiden haben. Zu befürchten ist ein Flickenteppich von Regelungen, der zu Lasten der Tiere geht.

 

Von Anbeginn der Errichtung der Kleingruppenhaltung kritisierte der Bundesverband Tierschutz dieses Haltungssystem als nicht tiergerecht, da die Tiere weiterhin in einem Käfig sitzen, in dem sie aufgrund des geringen Platzes und fehlender Höhe wichtige angeborene Verhaltensweisen nicht ausleben können. Selbst die Übergangsfristen bis zum Jahr 2023 sind aus Sicht des Tierschutzes kaum zu ertragen.

 

„Wir fordern Ministerin Aigner, im Sinne der Wertstellung des Tierschutzes in unserer Gesellschaft, dem Kompromiss doch noch zuzustimmen und damit zumindest ein klares Ende für ein Haltungssystem festzusetzen, das den Anforderungen des Tierschutzes nicht gerecht wird,“ so Prof. Dr. Astrid Funke, Präsidentin des Bundesverband Tierschutz.