Landwirtschaftliche Tierhaltung

 

Ausstieg aus Kükentötung wohl doch erst später möglich

Technik zur Geschlechterbestimmung im Ei erst ab 2019 marktreif?

 

17. August 2016. Im Laufe des kommenden Jahres wird Deutschland aus der Praxis des Kükentötens aussteigen, so hatte es Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt angekündigt. Doch Fachleute bezweifeln den Zeitplan: So scheint die Technik der Früherkennung des Küken-Geschlechts erst weitaus später zur Marktreife gelangen zu können als ursprünglich erwartet.

Wie die Wochenzeitung "Die Zeit" kürzlich berichtete, erklärte das mit dem Bau des Prototypen beauftragten Dresdner Unternehmens Evonta, dass sich die Erprobung mindestens bis 2019 hinziehen werde. Andere, wie Prof. Dr. Rudolf Preisinger, Lohmann Tierzucht GmbH in Cuxhaven, halten selbst diesen Termin für verfrüht und die Technik erst in fünf bis zehn Jahren für ausgereift.

Neben dem Forschungsprojekt in Deutschland arbeiten auch die Niederländer an einer weiteren Möglichkeit, das Geschlecht der Küken im Ei bestimmen zu können. Allerdings gilt die Technik der Geräte als umstritten: So soll die Geschlechterkennung des Hühnerembryos erst um den neunten Tag möglich sein. Ab dem siebten Lebenstag entwickelten sich jedoch schon Nervenzellen und sei das Küken schmerzempfindlich, geben einige Forscher zu bedenken.

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Hennen sollen ihre Schnäbel behalten

Ausstieg aus dem Schnabelkürzen zeigt Wirkung

 

15. August 2016. Seit dem 1. August dürfen die Schnäbel von Legehennen nicht mehr gekürzt werden - diese zwischen Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt und der Geflügelwirtschaft 2015 getroffene Vereinbarung trat vor wenigen Tagen in Kraft.

Die Unterzeichner, die Deutsche Geflügelwirtschaft e.V., der Bundesverband Deutsches Ei e.V. und der Bundesverband Deutscher Putenerzeuger e.V., einigten sich weiter darauf, dass ab dem 1. Januar 2017 keine Junghennen mit gekürzten Schnäbeln mehr eingestallt werden dürfen. Entsprechend muss schon jetzt damit begonnen werden, Küken mit unversehrtem Schnabel aufzuziehen. In Niedersachsen, dem Bundesland mit den meisten Hühnerbeständen, haben bereits mehr als 80 Prozent aller Küken einen intakten Schnabel. Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer hatte schon 2013 angekündigt, bis 2016 aus der Praxis des Schnabelkürzen aussteigen zu wollen.

Hintergrund: Das Tierschutzgesetz lässt das Schnabelkürzen nur in Ausnahmefällen zu, nämlich dann, wenn es keine Alternativen dazu gibt. Doch in der konventionellen Landwirtschaft wurde dieser schmerzhafte Eingriff routinemäßig bei den Küken durchgeführt, um Federpicken und Kannibalismus unter den Tieren zu verhindern. Diese Verhaltensstörungen entstehen insbesondere in Folge der belastenden Haltungsbedingungen - und können, wie zum Beispiel Österreich seit langem zeigt, durch ein besseres Management bzw. tierschutzgerechtere Haltungsbedingungen weitgehend verhindert werden.

Der Bundesverband Tierschutz e.V. begrüßt die Vereinbarung, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass die Haltungsbedingungen grundsätzlich den Tieren angepasst werden müssten und nicht umgekehrt, wie es derzeit in der konventionellen Tierhaltung (noch) üblich ist.

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Rückrufaktion für Freilandeier von Axvitalis

 

Campylobacter-Bakterien auf Eierschalen

 

Der Eierlieferant Axvitalis GmbH aus Regensburg ruft Chargen seiner Freilandeier zurück. Es geht um 6er und 10er - Packungen ("Eier aus Freilandhaltung") mit der Packstellennummer DE-093020 und dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) 12., 13. und 14.08.2016. Die Eier tragen einen Stempel mit der Kennzeichnung 1-DE-1300211. Die Eier werden von den Discountern Netto und Aldi Süd vertrieben.

Campylobacter-Bakterien verursachen Durchfall und Erbrechen.

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Auf dieser interaktiven Grafik können Sie sekündlich nachvollziehen, wieviel Fleisch in Deutschland produziert wird.

In einer Minute sind es bereits über 15.500 Kilogramm.

Interaktive Grafik

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In der Ukraine sollen Mastanlagen für 864.000 Enten entstehen. Das Projekt wird mit Exportgarantien aus Deutschland sowie Bürgschaften gefördert. Bislang sollen, nach Angaben der Osnabrücker Zeitung, bereits fünf Millionen Euro in den - derzeit ruhenden - Bau geflossen sein. Insgesamt soll sich die Höhe der Bürgschaften auf 42 Millionen Euro belaufen. Die Haltungsbedingunen für die Enten werden nicht mit deutschen bzw. europäischen Tierschutzbestimmungen in Einklang stehen.

 

Bericht der Neuen Osnabrücker Zeitung

"Erika and friends" - Verein zur Rettung von alten Milchkühen

 

Wir gehen weg von dem Gedanken der Nutztiere, denn jedes Tier hat ein Recht darauf, bei der Gestaltung seines Lebens Freiheit zu genießen“.

 

Erika ist 13 Jahre alt, hat sechs Kälber geboren, unzählige Liter Milch gegeben - und hätte schon längst die letzte Fahrt ihres Lebens angetreten, wenn es nicht diese ganz besondere Bäuerin gäbe. Wilma Miechils aus Wegberg bei Aachen hat den Verein "Erika and friends" gegründet, um altgedienten Milchkühen den Weg in den Schlachthof zu ersparen. Sie hofft, Erika und ihre 44 Artgenossinnen bis zum Lebensende auf dem Hof versorgen zu können.

Der Miechils-Hof hat wie viele Landwirte aufgrund des Preisverfalls die Milchproduktion eingestellt. Im Schnitt erhielten Milchbauern in diesem Jahr einen Erzeugerpreis von 26,3 Cent pro Liter, einige Molkereien zahlten sogar nur noch 20 Cent. Mit diesen Tiefstpreisen sind die Produktionskosten nicht mehr zu decken.

Wer wie Wilma Miechils Kühen auch nach ihrem aktiven Arbeitsleben Wertschätzung entgegenbringen und ihnen einen friedlichen Lebensabend ermöglichen möchte, kann sehr gerne bei der Finanzierung des Unterhalts von Erika und ihren Freundinnen helfen. Es besteht auch die Möglichkeit, den aus 20 Mitgliedern bestehenden Verein als weiteres Mitglied zu unterstützen oder eine Patenschaft für eine Kuh zu übernehmen.

Weitere Infos

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100 Millionen "plus X" für Milchbauern

Milchgipfel in Berlin

 

31. Mai 2016. In Berlin fand gestern der Milchgipfel statt, zu dem Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt führende Verbände aus der Milchwirtschaft geladen  hatte.  Die Erzeugerpreise haben sich innerhalb der letzten zwei Jahre auf 20 Cent pro Liter Milch halbiert mit dem Resultat, dass immer mehr Landwirte, über 7% allein 2015, aufgeben müssen. Ein Hilfspaket von 100 Millionen Euro "plus X" soll den Milchbauern helfen. 

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Aktionsbündnis Agrarwende und brandenburgische Regierungsfraktionen schließen Kompromiss - Volksentscheid gegen die Masentierhaltung ist damit vom Tisch

 

12. April 2016. Am gestrigen Montagabend einigten sich das Aktionsbündnis Agrarwende und die Regierungsfraktionen Brandenburgs auf einen Kompromiss. Damit wird es keinen Volksentscheid über die Massentierhaltung geben.
Der Kompromiss sieht geringere bzw. gar keine Förderungen für große Mastanlagen vor und grundsätzlich höhere Tierschutzstandards ab 2017. Dazu zählt u.a. der Verzicht auf das Kupieren der Schnäbel bei Geflügel und der Schwänze bei Ferkeln mit Übergangsfristen bis 2018. Ebenso soll der Antibiotika-Einsatz in den Ställen reduziert werden.
Das Volksbegehren konnte sich mit seiner Hauptforderung nach einem hauptamtlichen Tierschutzbeauftragten durchsetzen, nicht jedoch mit dem als unabdingbar erachteten Klagerecht für Tierschutzverbände. Die Koalition hatte diese Forderung mit dem Argument zurückgewiesen, ein Klagerecht könne Investitionen in alte Stallanlagen verhindern.  
Die erzielte Einigung wird nächste Woche im Landtag beraten. Erwartet wird die mehrheitliche Zustimmung der Abgeordneten

 

 

14 Betriebe beteiligen sich in Thüringen an einem Pilotprojekt. Die Landwirte testen, ob sie auf das Kupieren der Schwänze bei Ferkeln verzichten können. Dafür bieten sie ihren Tieren mehr Platz und Beschäftigung und erhalten im Gegenzug vom Land eine Bezuschussung, ähnlich wie es derzeit in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen praktiziert wird.

 

Den Presseartikel dazu können Sie hier lesen.

 

Küken wollen leben

Im Bundestag geht es heute um die Kükentötung

 

17. März. 40 bis 50 Millionen Küken werden jährlich getötet, weil die männlichen Tiere der Legehennenrassen naturgemäß keine Eier legen und zu langsam Fleisch ansetzen.
Dass diese Praxis höchst unethisch und mit dem Tierschutzgesetz kaum vereinbar ist, scheint mittlerweile parteiübergreifender Konsens. Doch nur Bündnis 90/Die Grünen fordern rigoros ein Verbot, während die CDU davor warnt. Die Begründung: Bei einem Alleingang Deutschlands würde die Ei-Produktion in andere EU-Staaten verlagert werden, die weiter auf die Kükentötung setzten und damit die Kosten für die Aufzucht der männlichen Tiere sparen.
Die Bundesregierung hofft, dass das millionenfache Schreddern und Vergasen der männlichen Küken dann der Vergangenheit angehört, wenn die Technik der Geschlechtsbestimmung im Ei marktreif ist. Derzeit wird an einem solchen Verfahren geforscht. Ziel ist es, die Eier, aus denen männliche Küken schlüpfen auszusortieren, bevor die Küken schlüpfen.
Unabhängig von der technischen Entwicklung der Geschlechtsbestimmung im Ei will der niedersächsische Landwirtschaftsminister den Ausstieg aus der grausamen Routine. Bis Ende 2017 soll die entsprechende Sondergenehmigung der Kükentötung auslaufen, danach wäre die Praxis verboten.
Neben der Geschlechterbestimmung im Ei wird auch auf die Zucht von sogenannten Zweinutzungshühnern gesetzt. Bei dieser Rasse werden die männlichen Nachkommen nicht getötet, sondern gemästet. Allerdings legen die weiblichen Tiere weniger Eier als die hochspezialisierten Rassen, und die Männchen legen langsamer an Gewicht zu. Für das Gros der Landwirte ist die Zucht der Zweinutzungshühner unter den derzeitigen Marktbedingungen nicht lukrativ. Anders viele ökologisch orientierte Landwirte: Sie versuchen mit Initiativen wie "Bruder Hahn" die Verbraucher für das Thema zu sensibilisieren und Zweinutzungsrassen auf dem Markt zu etablieren.

 

Landwirtschaftliche Tierhaltung

Die Haltung landwirtschaftlicher Tiere dient der Versorgung des Menschen mit Fleisch und tierischer Produkte wie z. B. Milch, Eier und Leder. Insbesondere seit Mitte des letzten Jahrhunderts hat sich die Quantität und Qualität der landwirtschaftlichen Tierhaltung stark verändert. Im Rahmen der Industrialisierung der Landwirtschaft hat sich auch die Tierhaltung stark verändert. Wurden früher viele unterschiedliche Tierarten in kleiner Anzahl auf den landwirtschaftlichen Betreiben gehalten, so finden sich heute zumeist Betreibe mit nur wenigen Tierarten, dafür aber mit wesentlich höheren Stückzahlen. Besonders in der Geflügelhaltung sind Mastställe mit 40.000 Masttieren und mehr eher die Regel als die Ausnahme. Die intensive Tierhaltung degradiert  empfindungsfähige Mitgeschöpfe zu bloßen Produktionseinheiten. Die Auswüchse der Massentierhaltung sind heutzutage eine gesellschaftspolitische  Herausforderung. Zunehmend formiert sich Widerstand gegen diese Art der Tierhaltung, zugleich wird auch die ethische Vertretbarkeit der Tötung der Tiere zum Zweck der menschlichen Ernährung offen diskutiert.

Der BUNDESVERBAND TIERSCHUTZ formuliert folgende Kernforderungen im Bereich der landwirtschaftlichen Tierhaltung:
•    Landwirtschaftliche Tiere haben ein Recht auf artgerechte Haltung, auf Wohlbefinden und auf respektvollen Umgang. Die Haltungsbedingungen müssen sich in erster Linie an den Grundbedürfnissen der Tiere orientieren.
•    Für alle landwirtschaftlich genutzten Tiere sind rechtliche Mindestanforderungen an eine tiergerechte Haltung zu erarbeiten (bspw. für Rinder, Milchkühe, Puten, Gänse, Enten, Elterntierhaltungen).
•    Die Zuchtziele in der landwirtschaftlichen Tierhaltung müssen zugunsten der Tiergesundheit, Stressstabilität und Langlebigkeit (Nutzungsdauer) neu ausgerichtet werden.
•    Die Anpassung von Tieren an Haltungssysteme mittels operativer Eingriffe (z.B. Kastration, Schnabelkürzen, Kupieren der Flügel, Kürzen der Schwänze wird abgelehnt.
•    Verbraucher müssen besser über die tatsächlichen Haltungsbedingungen der Tiere informiert werden, bspw. über ein verbindliches Tierschutzlabel, das analog zur Eierkennzeichnung über die tatsächlichen Haltungsbedingungen aufklärt
•    Landwirte, die besonders tiergerechte Haltungsverfahren anwenden, müssen deutlich stärker finanziell gefördert werden
•    Aus Gründen dies Tier- und Umweltschutzes sind Bestandsobergrenzen in der Tierhaltung festzulegen.
•    Stalleinrichtungen müssen auf Tiergerechtheit überprüft und zugelassen werden.
•    Zwingend notwendige operative Eingriffe an Tieren müssen ausnahmslos unter Betäubung vorgenommen werden.
•    Das Klonen sogenannter landwirtschaftlicher Nutztieren wird abgelehnt.

Volksentscheid über Massentierhaltung in Brandenburg?

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Am 19. April stimmt der brandenburger Landtag über das Volksbegehren gegen die Massentierhaltung ab. Das Bündnis Tierschutzpolitik Berlin, zu dem auch der BVT gehört, unterstützt das Aktionsbündnis.
Die Intiative hatte 104.000 Unterschriften von Bürgern gesammelt, die sich gegen Massentierhaltung aussprechen und eine Agrarwende fordern. Warum es in Brandenburg sogar diesbezüglich zu einem Volksentscheid kommen könnte, lesen Sie hier.

Gibt es bald einen Volksentscheid über die Massentierhaltung in Brandenburg?

3. März 2016. Das Aktionsbündnis Agrarwende Berlin-Brandenburg, ein Zusammenschluss von 42 Tier- und Umweltschutzverbänden sowie dem Ökologischen Landbau,  schließt einen baldigen Volksentscheid gegen den Bau von Mega-Ställen nicht aus.
So könnten sich möglicherweise schon am 17. Juli die Bürger über die Forderungen des Brandenburger Volksbegehrens gegen die Massentierhaltung in Brandenburg  stark machen. Nahezu 104.000 Unterschriften hatte das Aktionsbündnis gesammelt und der Landesregierung in Potsdam überreicht. Die Initiative fordert die Abkehr von riesigen Mastanlagen und möchte zudem erreichen, dass das Land die gewaltigen Mastställe nicht mehr steuerlich subventioniert.
Als weitere Forderungen stehen das Mitwirkungs- und Klagerecht für Tierschutzverbände im Raum und ein hauptamtlicher Tierschutzbeauftragter. Das Bündnis Tierschutzpolitik Berlin, in dem der BVT Mitglied ist, unterstützt die Ziele.

Tierschutzorganisationen fordern klare Kursänderung in der Agrarpolitik

Berlin, 7. Oktober 2015 – Sieben  Tierschutzorganisationen in Deutschland erwarten von der Bundesregierung tiefgreifende Veränderungen in der so genannten Nutztierhaltung. Sie berufen sich dabei auf das Gutachten des wissenschaftlichen Beirates für Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) „Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung“ und fordern gemeinsam das BMEL auf, den darin empfohlenen Maßnahmenkatalog umgehend umzusetzen.

Im Rahmen eines Gesprächstermins am 01.10.2015 haben die Albert-Schweitzer-Stiftung, der Bund gegen Missbrauch der Tiere, der Bundesverband Tierschutz, der Deutsche Tierschutzbund, PROVIEH-VgtM, die Tierschutzstiftung Vier Pfoten sowie die Welttierschutzgesellschaft der Parlamentarischen Staatssekretärin Dr. Maria Flachsbarth im BMEL ein gemeinsam erstelltes Positionspapier überreicht. Das Papier ist dieser Pressemitteilung beigefügt.

Darin bekräftigen die Tierschutzorganisationen die aus ihrer Sicht wichtigsten Handlungsempfehlungen des Gutachtens und fordern die umgehende schrittweise Umsetzung. Zudem wurde mit der Staatssekretärin vereinbart, dass das vom Ministerium in Auftrag gegebene Gutachten stärker verbreitet werden soll.

Die Wissenschaftler des Beirates für Agrarpolitik zeigen in ihrem knapp 400 Seiten starken Gutachten Wege und Möglichkeiten, wie eine zukunftsfähige und tierschutzgerechtere Tierhaltung in der Landwirtschaft kurz-, mittel- und langfristig in Deutschland ermöglicht und auch finanziert werden kann.

 

Zum Download des Gutachtens gelangen Sie hier.

Das Positionspapier der Verbände können Sie hier downloaden:
WBA Position_Tierschutzverbände.pdf
PDF-Dokument [242.5 KB]

"Tierfabrik Deutschland"

Bundesverband Tierschutz fordert Neuausrichtung der Landwirtschaftspolitik

Berlin, 26.8.2015: Gestern strahlte das ZDF einen Beitrag des Politmagazins Frontal 21 aus, der den Titel "Tierfabrik Deutschland" trug und passender nicht sein könnte. Die Umstände, unter denen Tiere in der konventionellen Landwirtschaft leben, leiden und sterben müssen, werden vom Bundesverband Tierschutz seit langem scharf kritisiert und mit Forderungen nach einer dringend notwendigen Agrarwende verbunden.

Der BVT appelliert an die Bundesregierung, die Weichen zu einer tiergerechten und umweltschonenden bäuerlichen Tierhaltung zu stellen und ruft gleichzeitig die Verbraucher auf, diesen Prozess aktiv zu begleiten. Wer tierschutzgerecht erzeugte Lebensmittel wünsche, müsse bereit sein, mehr zu bezahlen. Nur so könne dieser Wahnsinn, der sich Landwirtschaft nenne, beendet werden.
„Wir sind sehr dankbar für solche aufklärenden Fernsehbeiträge. Sie machen deutlich, welchen fürchterlich hohen Preis die Tiere für "erschwingliche " Lebensmittel zahlen. Kein Verbraucher kann heute noch glaubwürdig behaupten, er habe von den Lebensbedingungen in den Massentierhaltungsställen nichts gewusst“, sagt Dr. Gerd Gies. Mit der Politik und der Standesvertretung der Landwirtschaft geht der Verbandsvorsitzende hart ins Gericht: Unzureichende gesetzliche Schutzbestimmungen für Tiere hätten ein System entstehen lassen, bei dem nur noch der Profit zähle, das Wohlbefinden des Einzeltieres jedoch auf der Strecke geblieben sei. Die landwirtschaftliche Beratung konzentriere sich ausschließlich auf Aspekte der Wirtschaftlichkeit. Artgerechte Tierhaltungssysteme hätten dort keinen Platz.
Statt kosmetischer Korrekturen fordert der Bundesverband Tierschutz eine grundlegende Neuausrichtung der Landwirtschaftspolitik. „Solange wir Tiere nutzen, haben wir die ethische Verantwortung, gut mit ihnen umzugehen. Artgerechte Haltungssysteme, kurze Transportzeiten und eine schmerzfreie Tötung sind Mindestanforderungen, die wir den Tieren schuldig sind“, so Dr. Gerd Gies abschließend.

 

Den Bericht von Frontal 21 können Sie hier sehen.

BUNDESVERBAND TIERSCHUTZ fordert umfassende Kontrolle deutscher Schlachthöfe

Die aktuellen Ereignisse im März 2014 bezüglich der Missachtung tierschutzrechtlicher Bestimmungen bei der Schlachtung von Tieren im Schlachthof Bad Bramstedt nimmt der Bundesverband Tierschutz zum Anlass, eine umfassende Kontrolle aller deutschen Schlachthöfe zu fordern. Es darf nicht sein, dass Tieren aus Rohheit unsägliche Leiden zugefügt werden. Wenn schon Tiere zum Fleischgewinn gehalten und getötet werden, so muss dies unter Einhaltung aller Tierschutzbestimmungen erfolgen.

 

Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft Kiel gegen den Vion-Schlachthof in Bad Bramstedt wegen des Verdachts, dass Tötungen mit unnötigen Leiden von Tieren verbunden waren. Abgetrennte Rinderköpfe wiesen mehrere Bolzenschuss-Löcher auf, obwohl die Tiere eigentlich nach einem Schuss tot sein müssten. Andere Tiere hatten gar keine Schusslöcher. Vermutlich wurden diese Tiere vor der Schlachtung nicht einmal betäubt.

 

Der Schlachthof in Bad Bramstedt ist kein Einzelfall. Dass die geltenden Tierschutzbestimmungen bei der Schlachtung von Tieren nicht immer umfänglich eingehalten werden, zeigen auch die Ergebnisse der fachaufsichtlichen Kontrollen an allen größeren Schlachthöfen in Thüringen. Hierbei wurden nachfolgend aufgelistete Mängel wiederholt festgestellt:

1. Eine amtliche Kontrolle der Tiere bei Anlieferung auf Schlachthöfen ist nicht immer gegeben.

2. Die Futterversorgung bei Überschreitung der Zeitdauer von sechs Stunden von der Anlieferung bis zur Schlachtung ist oft nicht sichergestellt.

3. Bei der Schlachtung von Wiederkäuern (insbesondere Rind) ist aufgrund unzureichender Fixationsmöglichkeit ein exakter Bolzenschussansatz nicht immer möglich.

4. Bei der Elektrobetäubung Schwein werden zum Teil herstellerseitig voreingestellte Betäubungsprogramme mit unzureichenden Stromhaltezeiten von den Betrieben eingesetzt (Hersteller gibt u.a. Programme vor, die gegen geltendes Tierschutzrecht verstoßen!! So werden die vorgegebenen Mindest-Stromflusszeiten unterschritten oder die Mindeststromstärke wird nicht über die gesamte Stromflusszeit gehalten).

5. Bei der Kohlendioxidbetäubung von Schweinen werden zum Teil die Gondeln überbelegt sowie die Mindest-Verweildauer der Tiere in der CO2-Atmosphäre (100 Sekunden) unterschritten.

6. Die vorgegebene maximale Zeitdauer zwischen Betäubung und Entblutestich/Schnitt wird oft überschritten.

7. Die Zeitdauer zwischen der Entblutung und ersten Manipulationen am Tierkörper ist zum Teil zu kurz, so dass Schmerzwahrnehmungen/-reaktionen am sterbenden Tier zu beobachten sind.

 

Insgesamt ist festzustellen, dass aufgrund des immensen Konkurrenzkampfes in der Schlachtbranche betriebsseitig deutlich Druck auf die Mitarbeiter und das amtliche Kontrollpersonal aufgebaut wird, um die Kosten für die Schlachtung von Tieren zu minimieren. Der Bundesverband Tierschutz fordert daher eine verstärkte externe Kontrolle der Schlachthöfe auf die Einhaltung tierschutzrechtlicher Vorschriften. Die Eigenkontrollen der Schlachthöfe durch angestellte Tierschutzbeauftragte sind in der Regel unzureichend, da die Unabhängigkeit des Tierschutzbeauftragten nicht gewährleistet ist.

Aktionsbündnis Agrarwende Berlin-Brandenburg übergab 34.000 Unterschriften der Volksinitiative „Stoppt Massentierhaltung“ an den Brandenburger Landtag

Potsdam, 20.11.2014: Mit einer Kundgebung vor dem Brandenburger Landtag beendete das Aktionsbündnis Agrarwende Berlin-Brandenburg am Donnerstag, den 20.11.2014, in Potsdam um 13:00 Uhr die Unterschriftensammlung für die Volksinitiative „Stoppt Massentierhaltung“. Dabei reichte das Bündnis aus 42 Organisationen und Bürgerinitiativen aus den Bereichen Umwelt-, Tierschutz und Ökologischem Landbau, unter ihnen auch das Bündnis Tierschutzpolitik Berlin, rund 34.000 Unterschriften von Brandenburgerinnen und Brandenburgern bei der Landtagspräsidentin Frau Britta Stark ein. Die Initiatoren wollen mit diesem Instrument der Volksgesetzgebung zentrale Forderungen gegen die industrielle Tierhaltung auf die Tagesordnung bringen.
Das Aktionsbündnis Agrarwende musste für die im März gestartete Kampagne 20.000 Unterschriften von Bürgerinnen und Bürgern in Brandenburg sammeln, damit sich der Brandenburgische Landtag mit der Massentierhaltung auseinandersetzen muss. Nach nur wenigen Monaten waren bereits 34.000 Stimmen zusammengekommen. Die Initiatoren bewerten diesen Rückhalt in der Bevölkerung als einen großen Erfolg.
Aktionsbündnis Agrarwende Berlin Brandenburg
Das Aktionsbündnis Agrarwende Berlin-Brandenburg ist ein regionaler Zusammenschluss von Verbänden der Landwirtschaft, des Tier-, Umwelt- und Naturschutzes sowie zivilgesellschaftlicher Organisationen und Initiativen, die für eine naturverträgliche, tiergerechte und soziale Zukunft der Landwirtschaft und des ländlichen Raumes eintreten. Das Aktionsbündnis ist unabhängig, parteipolitisch neutral und überkonfessionell und besteht derzeit aus 42 Organisationen und Initiativen (www.agrarwen.de).

 

Nachfolgend noch einmal die Forderungen im Einzelnen:

  • Die Initiative fordert alle rechtlichen Möglichkeiten zu nutzen, um die stetige Ausbreitung der Massentierhaltungsanlagen in Brandenburg zu unterbinden.
  • Es soll ausschließlich die artgerechte Haltung von Tieren finanziell gefördert werden.
  • Das Abschneiden („Kupieren“) von Schwänzen und Schnäbeln soll auch in Ausnahmefällen verboten werden.
  • Der Schutz der Tiere im Land Brandenburg soll durch die Berufung eines/einer Landestierschutzbeauftragten gestärkt werden.
  • Den Tierschutzverbänden soll ein Mitwirkungs- und Klagerechte zum Wohl der Tiere eingeräumt werden, damit der im Grundgesetz verankerte Tierschutz wirksam umgesetzt wird.
  • Weiterhin fordert das Aktionsbündnis die Landesregierung auf, sich für die Einbringung eines Gesetzentwurfs in den Bundesrat einzusetzen, um auf Bundesebene
  • eine Verschärfung des Immissionsschutzrechtes zu erwirken, um Menschen vor Belastungen durch Gerüche und Bioaerosole (insbesondere Keime, Endotoxine und Pilze) und Ökosysteme vor Ammoniakbelastungen und anderen Immissionen wirksam zu schützen,
  • die Düngemittelverordnung zu novellieren, um die Nährstoffüberschüsse in der Landwirtschaft wirksam zu begrenzen,
  • den Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung zu reduzieren, insbesondere durch eine lückenlose Dokumentation der Antibiotikagabe und die Durchsetzung der Einzeltierbehandlung bei Krankheiten,
  • das Selbstbestimmungs- und Mitspracherecht der Kommunen bei Genehmigungsverfahren von Anlagen der Massentierhaltung zu stärken, insbesondere das gemeindliche Einvernehmen nach § 36 BauGB als Ermessensentscheidung auszugestalten