Fische

Update vom 24.03.15:

Auf Grund unseres Protestschreiben hat Netto geantwortet und nimmt das Aquarium aus dem Sortiment.

 

An die
Geschäftsleitung
NETTO-Marken Discount AG und Co. KG
Industriepark Ponholz
93142 Maxhütte/Haidhof

 

Moers, 23. März 2015

 

Ihr Werbeprospekt vom 16. 21.03.2015/Verkauf eines 18 l Aquariums

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

von zahlreichen Tierfreunden wurden wir auf Ihren Werbeprospekt aufmerksam gemacht in dem Sie ein 18 l Aquarium-Set für 24,98 € anbieten. Die Größe dieses Aquariums ist keinesfalls geeignet eine annähernd artgerechte Haltung für Zierfische zu gewährleisten. Sowohl das Wasservolumen als auch die Kantenlänge dieses Aquariums ist für Fische völlig ungeeignet.

Eine Expertengruppe hat im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums bereits im Jahre 1999 ein Gutachten über die Mindestanforderungen an die Haltung von Zierfischen erarbeitet in dem festgehalten ist, dass Aquarien eine Mindestgröße von 60 l haben müssen. Auszüge aus dem angesprochenen Gutachten finden Sie diesem Schreiben beigefügt.

Wir möchten Sie bitten, Aquarien dieser Größe nicht mehr anzubieten und wären Ihnen dankbar, wenn Sie auch hinsichtlich des Angebotes weiterer Heimtiereinrichtungen die Mindestanforderungen zur Haltung der entsprechenden Tiere berücksichtigen würden. Sollen Sie fragen hierzu haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Bundesverband Tierschutz e.V.


Dr. Jörg Styrie
Geschäftsführer

Zierfische - mehr als bewegliche Dekoration

Fast zwei Millionen Aquarien stehen in deutschen Haushalten. Dazu gibt es 1,4 Millionen Gartenteiche. In jedem Jahr werden es mehr.

Leider ist das Wohlbefinden in so mancher Mensch-Fisch–Beziehung einseitig. Ersteinsteigern fehlt oft das nötige Wissen, um allen Bedürfnissen ihrer schwimmenden Hausgenossen gerecht zu werden und fortgeschrittene Aquarianer sind mitunter ignorant. Mode, Raritäten und Sammelleidenschaft stehen häufig im Vordergrund – nicht die Sorge um artgerechte Umgebung, gute Pflege und fundiertes Wissen um den Fisch.

Eines muss klar gesagt werden: Jedes Aquarium ist ein Gefängnis. Wer sich eins anschaffen möchte, vielleicht zu Weihnachten, sollte sich ernsthaft fragen, ob er ein solches Gefängnis tatsächlich im Hause haben möchte. Es gibt aber auch viele Menschen, die ein Aquarium einfach „geerbt“, von anderen übernommen haben, die es nicht mehr wollten. Für sie können die nachfolgenden Ausführungen vielleicht hilfreich sein.

Der Walt-Disney Kinokassenschlager "Findet Nemo", in dem der Clownfisch Nemo die Hauptrolle spielt und zahlreiche Abenteuer meistert, zog eine ungeahnte Nachfrage nach Clownfischen nach sich. Viele Kinder wollten plötzlich einen Nemo für sich haben. Um dem Markt gerecht zu werden, wurde sogar die Fangquote für Clownfische erhöht! Dass solche Wildfänge immer einen Eingriff in die Natur darstellen und für Tiere mit außerordentlichem Stress verbunden sind, sei hier nur nebenbei bemerkt. Um ihre Fische in Freiheit zu entlassen, spülten manche Kinder sie in den Abfluss. Auf diese Weise sollte der Leinwandheld Nemo ins Meer bzw. zurück in seine Heimat gelangen. Die Kinder wollten Gutes tun und erreichten das Gegenteil. Man mag daran erkennen, wie groß die Entfremdung zur Natur geworden ist und wie wichtig es ist, jungen Menschen Wissen über Tiere näher zu bringen.

Auch Zierfische haben Ansprüche

Zu allererst: Zierfisch ist nicht gleich Zierfisch. Fische haben die unterschiedlichsten Ansprüche an ihre Umgebung. Abgesehen von Süß- oder Salzwasser sind unterschiedliche Wasserqualitäten, Lichtstärken, unterschiedlicher Pflanzenbewuchs und Einrichtungsgegenstände, die wiederum die Wasserqualität beeinflussen, erforderlich. Bei der Besetzung eines Beckens ist auch die Zusammensetzung der Gruppe sehr wichtig. Es stellt sich die Frage der sozialen Struktur: wer passt zusammen und wer nicht? Wird hierauf zu wenig geachtet, gibt es schnell Stress bis hin um Tod.
Ebenso spielt die Besatzdichte eine große Rolle.

Auch die Fütterung muss der Art entsprechend erfolgen. Handelsübliches Flockenfutter muss häufig durch Frostfutter, wie Insekten, ergänzt werden. Manche Fische hingegen bedürfen rein vegetarischer Kost, die sie gern vom Boden aufnehmen.

Auch sollte nicht der eine Fisch den anderen auffressen.

Sind die Haltungsbedingungen nicht optimal, können leicht gesundheitliche Probleme entstehen. Denn Dauerstress macht die Tiere krank.

Aquarianer müssen ihre Zöglinge genau beobachten. Auf anormales Verhalten beim Atmen, Fressen oder Schwimmen muss schnell reagiert werden. Einholung von tierärztlichem Rat sollte selbstverständlich sein. Selbst zu experimentieren, kostet bestenfalls nur Zeit – in aller Regel verschlimmert es das Leid.

Übrigens gilt das Tierschutzgesetz, wonach Tiere ihrer Art und ihren Bedürfnissen entsprechend angemessen ernährt, gepflegt und verhaltensgerecht untergebracht werden müssen, selbstverständlich auch für Fische!

Aus Profitsucht werden Lebewesen verschandelt

Immer beliebter – ein Ende ist lange nicht abzusehen - werden Exemplare, die nicht der Norm entsprechen, die außergewöhnliche Gestalt oder Farbgebung haben.
Der Trend zu immer bunteren Fischen bringt unseriöse Händler dazu, äußere Manipulation an der Farbgebung von Zierfischen vorzunehmen. Dem Käufer ist dies oft gar nicht bekannt. Eine Masche, mit der vor allem auf kommerziellen Zierfischbörsen viel verdient wird. Im großen Stil werden die Fische meist in Asien mittels verschiedener Methoden, die teilweise geheim gehalten werden und die selbst hiesigen Zierfischexperten nicht bekannt sind, eingefärbt und in Deutschland auf den Markt gebracht. Der Bundesverband Tierschutz machte schon vor einigen Jahren auf diese Machenschaften aufmerksam. Die Einfärbungen sind ethisch nicht vertretbar und verursachen Leidenssituationen für die Tiere.
Soviel weiß man: Die Farbe, z.B. Acrylfarbe, wird mittels Injektion unter die Haut gebracht, wie bei einer Tätowierung. Die Schleimhaut wird durch die Nadel verletzt. Der Fisch leidet Stress und Schmerzen. Massive innere Schädigungen können auftreten. Insgesamt sind die Tiere deutlich höher krankheitsanfällig.
Beliebt sind auch phosphoreszierende Farben. Sie werden auf die zuvor entschleimte Haut der Fische aufgetragen. Das Verfahren greift die Gesundheit des Fisches an.
In Hong Kong werden Fische mittels Laserstrahlen mit Schriftzeichen und Bildern "verziert".
Dagegen klingt das Einfärben durch Tauchen in Lebensmittelfarbe fast harmlos.

Entwicklungen der Zierfischzucht - oder: Es gibt nichts, was es nicht gibt

Es begann damit, dass das Wasser in den Gartenteichen oft sehr trüb war. Daher züchtete man in China schon vor 3000 Jahren auf eine goldene Färbung. Auch andere Farben und Körperformen fanden später gefallen und so entstanden im Laufe vieler Generationen ungewöhnliche Körperformen und bizarre Farbmuster. Nach Deutschland kamen erste Exemplare Ende des 19. Jahrhunderts. Die heutige Zierfischzucht wurde zunächst durch Fische aus dem ostasiatischen Raum erweitert; etwas später durch Importe von bunten tropischen Zierfischen.

Es ist Mode geworden, Formen und Farben der Fische durch Zucht zu verändern - im Fernen Osten und heute insbesondere auch in USA und in England. Die Auswirkungen werden ignoriert.
Unerwünschte Eigenschaften, die zum Teil nicht gleich ersichtlich sind, verbreiten sich von Generation zu Generation. Bei den Cichliden zum Beispiel, muss das Laichsubstrat aus dem Becken genommen werden, da die Elterntiere ihre Nachkommen sonst auffressen würden. Nach mehreren Zuchtgenerationen ist das Familienleben völlig zerstört. Hier ist ein klarer Fall von TschG §11b, weil die Tiere sich allein nicht mehr vermehren können. Aus Profitstreben wurde mit verhaltensgestörten Fischen weitergezüchtet.

Augenfälliger sind sicher diejenigen Arten, die aufgrund ihrer Erscheinung schon als Qualzuchten zu erkennen sind. Es gibt beim Goldfisch Zuchtformen, die solche Gewebewucherungen über den Augen (Ranchu, Löwenkopf) oder im Nasenbereich (Pompon-Goldfisch) haben, dass das Sehen und Fressen erheblich behindert sind.
Es gibt Fischarten mit Augen, die nach oben gerichtet sind (Himmelsgucker) oder unter dem Auge große Ballons mit Gewebsflüssigkeit haben.

Anderen Fischen wurden züchterisch die Flossen verändert, sodass diese länger oder kürzer als in der herkömmlichen Form sind. Flossen werden auch hinzugezüchtet oder fehlen manchmal.

Auch mit krebskranken Fischen wird in gewissen Kreisen gern gezüchtet. Der Krebs ist mitunter für eine gewünschte Hautfärbung verantwortlich.

Der Fischexperte und Tierarzt Dr. Jukka Järvi formulierte treffend:
"Jedem sollte bewusst sein, dass Fische Streß und Schmerz empfindende Wesen sind. Wenn ich solch stark veredelte (Anm. der Verfasserin: durch Zucht veränderte) Fische sehe, die in vielerlei Hinsicht genetisch verändert wurden, kann ich nur Mitleid empfinden. Stark deformierte, verkrüppelte Tiere, deren Beflossung viel zu groß ist, und die nur mit außerordentlich großen Mühen überhaupt schwimmen können, stehen kontinuierlich unter Stress und haben kaum Kräfte übrig, um gewöhnliche Wasserbakterien abwehren zu können. Verstopfungen und Entzündungen sind sehr oft Krankheitssymptome der veredelten, deformierten Fische. "

Der BUNDSVERBAND TIERSCHUTZ e. V. verurteilt solche Qualzuchten aufs Schärfste!

Krankheiten nehmen zu

Die Zunahme von Krankheiten hat verschiedene Ursachen. Zum einem sind die überzüchteten Fische sehr stressempfindlich und daher empfänglicher für Krankheiten. Zum anderen entstehen durch das Zusammenbringen vieler Arten und das wahllose Kreuzen der Arten neue Krankheiten, gegen die die Fische nur unzureichende Abwehrmechanismen haben. Der weltweite Handel tut sein Übriges dazu.

Besorgniserregend sind zur Zeit Infektionen mit dem Koi-Herpesvirus (KHV). Betroffen sind Kois und Nutzkarpfen. Bei Erkrankung sterben die meisten Tiere. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass auch nicht erkrankte Tiere infiziert sein können, was die Bekämpfung der Krankheit erschwert. Um die weltweite Ausbreitung der Seuche zu verhindern, sind strikte Maßnahmen erforderlich, die meist zu Lasten des einzelnen Tieres gehen.

Was tun?
Der Bundesverband Tierschutz vertritt die Auffassung, dass in der Zierfischhaltung und -zucht die Grenzen des Ethischen vielfach überschritten sind und sowohl die Haltung als auch die Zucht im Konflikt mit dem deutschen Tierschutzgesetz steht.
Die Bestrebungen hinsichtlich des Tierschutzes seitens einschlägiger Verbände wie dem Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe und dem Bundesverband für fachgerechten Natur- und Artenschutz sowie einzelner Experten sind zwar anerkennenswert. Sie reichen aber bei Weitem nicht aus, um eine Veränderung der rasch fortschreitenden Entwicklung herbeizuführen. Hier ist der Gesetzgeber mit einem Bündel von Maßnahmen gefordert.

Der Bundesverband Tierschutz wird weiterhin durch stete Aufklärungsarbeit und politische Anstöße auf allen Ebenen seinen Beitrag leisten.

Ein Aquarium kann zu einer schönen Atmosphäre in jeder Wohnung beitragen. Hierbei sollte jedoch darauf geachtet werden, dass die Haltungsform den Ansprüchen der Fische gerecht wird. So sollten nur solche Fische zusammen gehalten werden, die an Temperatur und Wasserzusammensetzung die gleichen Ansprüche stellen.

Auch sollte immer die Endgröße des Fisches und der dann benötigte Raum berücksichtigt werden. Dies auch gerade im Hinblick darauf, dass eine zu enge Besatzdichte den Stressfaktor der Fische erhöht und damit ihre Anfälligkeit für Krankheiten begünstigt.

Abzuraten ist von Meerwasseraquarien. Zum Einen bedarf es zur Pflege eines solchen Aquariums sehr vertiefter Kenntnisse, zum Anderen besteht ein Großteil der hierfür angebotenen Fische aus Wildfängen. Insbesondere problematisch bei den hierfür notwendigen Fangaktionen ist die oftmals damit einhergehende Zerstörung des ursprünglichen Lebensraumes, z.B. der Korallenriffe.

 

Vorsicht frisch lackiert!
Lackiert werden die Fische natürlich nicht, aber die äußere Manipulation der Farbgebung von Zierfischen findet immer weitere Verbreitung - und ist dem Käufer oft gar nicht bekannt. [weiter...]